Kurzbeschreibung
Von Greven, Von Kolping, von der Feuerwehr, vom Schützenfest, von den alten Preußen, von Natz und Hennrich, von der Ems, seiner Landschaft und den Menschen und vielen anderem...ein Liebesbekenntnis in Platt mit viel Humor! Franz Epping ist ein Meister der Balladenform, auch wenn er nur ein Schuster war. Viele Bilder aus Greven umrahmen die Prosa.
Betrachtet man auf alten Postkarten und Bildern die obere Markstraße um die Jahrhundertwende, so kommen einem Gedanken an eine ganz andere, versunkene Welt. Hier die Wirtschaft "Bertling" mit der dicken Linde vor der Tür, dort kleinere Fachwerkhäuser, welche fast bis in die Straße herein ragen. Und die Straße selbst ist frei von jedem Autoverkehr. Wohl vernahm man hier und dort das Geklapper von Pferdehufen. Das Bewegen von Lasten wurde in jenen Tagen in der Mehrzahl mit Pferdegespannen getätigt. Die Straßen jener Zeit, in der Mehrzahl mit Kieselsteinen gepflastert, hätten auch das heutige hektische Treiben nicht zugelassen. So konnte der Bürger in diesen Tagen fast gefahrlos von einer Straßenseite zur anderen schlendern, ohne Gefahr zu laufen, von einem Gefährt überrollt zu werden und konnte seinen Gang auf den Bürgersteigen fortsetzen. Eben halt dort auch nur, wo sie vorhanden waren. Die Ausleuchtung der Straßen und Wege war fast nicht vorhanden. In erster Linie wurden die Hauptkreuzungspunkte der Straßen beleuchtet. Dieses geschah mit Petroleumlampen, welche jeden Abend angezündet wurden und bis zum Jahre 1895 währte.
Die Bilder vermitteln kein Hasten, keine Eile. Eher gewinnt man den Eindruck, dass Zeit im Allgemeinen noch nicht die große Rolle spielte wie später und heute. Und so war es auch wohl im beschaulichen Greven in den Jahren um 1900. Die Menschen jener Zeit, so weit sie in Brot und Arbeit standen, arbeiteten an 6 Tagen und um die 60 Stunden in der Woche. Bei dieser langen Beschäftigungszeit kam es der Arbeiterschaft sehr entgegen, dass die Kolonialwarengeschäfte nicht an festen Öffnungszeiten gebunden waren, sondern teilweise bis spät in die Nacht offen hielten. Der Arbeits- und Lebensrhythmus der Bauern war fast gänzlich vom Wetter und den Jahreszeiten bestimmt. Trotz aller Widrigkeit des täglichen Lebens hingen die Menschen am Wesen dieser Zeit. Sie verteidigten ihre Petroleumlampe gegen die neue Glühstrumpfmode. Gerade die älteren Menschen betrachteten mit großer Skepsis all jene Neuerungen, die sich in dieser Zeit vor dem 1. Weltkrieg Bahn brachen. Und sie sprachen gerne von der "guten alten Zeit". Sitten und Ansichten, Lebensgewohnheiten und das tägliche Miteinander waren in diesem Gemeinwesen, sowohl von den fortschrittlichen wie auch den konservativen Schichten, größtenteils von der heimischen Scholle geprägt.
Die Zeiten waren nicht gerade mit Sensationen gepflastert. Fernsehen Radio gab es nicht. Zeitungen wurden wohl fast nur ausschließlich von den besseren Schichten gehalten. Unter diesen Umständen kann man sich recht gut vorstellen, dass jede, auch noch die kleinste Neuigkeit allgegenwärtige Bereitschaft zur Aufnahme und Weitergabe fand. Greven hatte im Jahre 1907 eine Einwohnerzahl von 8352 Seelen. Diese Zahl betrifft das gesamte Gebiet in seiner heutigen Ausdehnung. Bei dieser Betrachtung lässt sich denken, dass eine etwaige Anonymität unter den Bewohnern unserer Gemeinde kaum vorhanden war, da fast jeder jeden kannte. Sieht man mal von den Bauernschaften ab. Neugierde und Tratscherei waren wohl eben so stark ausgeprägt wie heute. Wälzt man mal die Zeitungen der Jahrhundertwende, so beschränken sich die Neuigkeiten und Ereignisse weitestgehend auf Unfällen und Feuersbrünsten. So war die Aufregung groß, wenn die Brandhörner ertönten und die Feuerwehr mit Lederhelmen ausrückte. Greven hatte ja im Laufe seiner Geschichte mit teilweise verheerenden Brandkatastrophen zu kämpfen. Mit diesen Ereignissen war wohl oftmals die gesamte Existenz in Frage gestellt und die Angst, in Mitleidenschaft gezogen zu werden, saß tief. Zwar gab es auch zu der Zeit schon Feuerversicherungen, aber nicht jeder Hausbesitzer besaß eine.
Wenn man über das alte Greven spricht, so sollte auch nicht vergessen werden, dass sich bis teilweise in die 60ger Jahre noch eine Reihe von Bauern im Ortskern befanden, namentlich Wrede, Voß, Bövemann, Al-bacht, Naendorf und Beckermann. Aber auch andere Bewohner des Dorfes hielten Vieh in den Ställen wie Kühe, Ziegen, Schweine und Hühner. Die bewirtschafteten Ländereien und Gärten lagen fast nur einen Steinwurf vom Ortskern entfernt.